Glossar

Handlese
Alle unsere Trauben werden ausschließlich mit der Hand gelesen. Wir sind überzeugt, dass diese Qualität einzigartig ist.
Für die Ganztraubenvergärung ist eine Maschinenlese sowieso gänzlich unmöglich und undenkbar.

Vielfalt
Diversität ist der Grundstein unserer Arbeit. Die Natur lebt von Vielfalt. Vielfalt macht Ökosysteme stabiler und widerstandsfähiger gegenüber äußeren Einflüssen. Eine lebendige Diversität ist förderlich für fruchtbare Böden, robuste Reben, eine gesunde Umwelt und mehr Leben im Weinberg. Mehr Leben bedeutet auch eine reiche Hefeflora – und damit Weine mit mehr Tiefe, Komplexität und Charakter.
Die Biodynamie hilft uns, diese natürlichen Verbindungen wiederherzustellen: ein Zusammenspiel aus Synergie, Symbiose und Vielfalt. Wir verstehen die Natur als unsere Verbündete und schaffen durch Biodiversitätsinseln, heimische Begrünung und unterstützende Präparate ein lebendiges Gleichgewicht.
Ein besonders großes Anliegen ist uns, Lebensräume für diverse Tierarten in unseren Weingärten zu bewahren und so zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen. Eine wichtige Maßnahme ist die Renaturierung von Brachflächen und die Pflanzung von Hecken- und Baumreihen.
In unseren Weingärten finden sich Brut- und Nistkästen für Steinkäuze, Schleiereulen und Wiedehopfe. War Anfang der 2010er Jahre der Bestand noch rückläufig, sind sie jetzt wieder weiter verbreitet. Das zeigt einmal mehr, dass unser Handeln einen Unterschied machen kann.

Biodynamie
Für uns ist die Biodynamie weit mehr als eine landwirtschaftliche Methode oder ein Regelwerk. Sie ist eine Haltung, ein Leitfaden für den respektvollen Umgang mit der lebendigen Umwelt um uns herum.
Die Umstellung 2006 hat unsere Perspektive grundlegend verändert: von Monokulturen hin zu vielfältigen, gesunden Lebensräumen, vom Weingut hin zu einem lebendigen landwirtschaftlichen Organismus, von Kontrolle hin zu Balance und Synergie.
Die Biodynamie hilft uns dabei den Weinen größtmögliche Authentizität zu verleihen. Wir kreieren ein geschmackliches Bild unserer Landschaft, unserer Böden, unseres Klimas und natürlich auch der Menschen. Nur so können höchst individuelle, manchmal sehr puristische, Weine entstehen, die von ihrer Herkunft erzählen.
Sowohl der Weinbau als auch die Biodynamie unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung. Wir werden jedes Jahr reicher an Erfahrung und Wissen. Die Beobachtungen in der Natur, die Schlussfolgerungen und die daraus abgeleiteten Handlungen halten uns ständig in geistiger und physischer Bewegung.

Bodenleben
Lebendige Böden sind die Grundlage für resiliente Reben, gesunde Trauben und charaktervolle Weine. Boden ist ein komplexer Lebensraum mit zahlreichen Organismen. Dieses fein abgestimmte Netzwerk sorgt für kontinuierliche mikrobiologische Aktivität, die Grundlage für Humusbildung, Stoffwechselprozesse und funktionierende Nährstoffkreisläufe. Widerstandsfähige Böden verkraften Umwelteinflüsse besser, tiefe Wurzeln fördern das Bodenleben und schützen vor Erosion. Gleichzeitig reguliert sich das Gleichgewicht möglicher Schädlinge auf natürliche Weise.
Um den Humusaufbau zu fördern, bringen wir unseren biodynamischen Kompost aus vielen Komponenten wie Kuh- und Schafmist, Grünschnitt, Schilf, Heu und Trester aus. Ganzjährige Begrünung, Lebendverbauung und Durchwurzelung verbessern die Bodenstruktur und Wasserspeicherkraft.
Das sorgt auch für eine höhere Widerstandsfähigkeit der Rebe. Tiefe Verwurzelung sorgt für eine ausgeprägte Bodenfauna und guten Erosionsschutz, Umwelteinflüsse werden so besser aufgefangen. Nur ein lebendiger Boden kann auch lebendige Weine erzeugen.
Die alternierende Mulch- und Mähwirtschaft zur Blütenbildung der Begrünungspflanzen dient als zusätzlicher Erosionsschutz. Durch das Abwechseln von Mulchen und Mähen wird der Boden geschont und die Biodiversität durch die Erhaltung von Lebensräumen für verschiedene Tierarten gefördert. Mulchen trägt dazu bei, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und die Nährstoffversorgung zu verbessern, während Mähen das Wachstum von unerwünschten Gräsern kontrolliert.

Terroir
Der Begriff Terroir ist vielstrapaziert und doch so bedeutungsvoll. Terroir ist ein Geflecht von Beziehungen: zwischen Umwelt und Rebe, zwischen Rebe und Winzer:in, zwischen Winzer:in und Wein – und schließlich zwischen Wein und Konsument:in.
Für uns sind Terroir und Biodynamie untrennbar verbunden. Am klarsten entfaltet sich Terroir in einem möglichst geschlossenen Kreislauf, in dem externe Eingriffe minimal bleiben.
Der typische Heinrich-Charakter – steinige Mineralität, präzise Säure und animierende Salzigkeit – entsteht aus dem Zusammenspiel unserer kalk- und schiefergeprägten Böden, dem kühleren Klima am Leithaberg einerseits und und den wärmeren Toplagen in Gols wie Gabarinza und Salzberg. Ebenfalls zentral ist die biodynamische Bewirtschaftung und zurückhaltende Arbeit im Keller, die man eher als sanftes Begleiten und aufmerksames Beobachten bezeichnen könnte.

Zeit
Zeit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Philosophie.
Naturbelassenen Wein zu erzeugen bedeutet für uns auch, ihm die nötige Zeit zur Reifung und Entwicklung zu geben, damit er sein volles Potenzial entfalten kann.
Viele Abläufe im Weinbau brauchen Zeit, manchmal sehr viel Zeit. Nach der Pflanzung eines Weingartens kann es bis zu fünf Jahre dauern bis die Rebe Früchte trägt. Und ebenso lange dauert es manchmal im Keller. Spontangärung, natürliche Klärung und lange Lagerung auf der natürlichen Hefe sind für uns von zentraler Bedeutung, nicht zuletzt für den authentischen Charakter und die Stabilisierung unserer Weine.

Spontanvergärung
Wir lassen unsere Weine mit den natürlich im Weingarten und in unserem Keller vorkommenden Hefen vergären, das heißt ohne industriell hergestellte Reinzucht-Hefen. Auch im Zuge der weiteren Vinifikation verwenden wir keinerlei Zusatzstoffe oder sonstige Schönungsmittel. Lediglich ein wenig Schwefel kann in einigen seltenen Fällen helfen, manche Mikroorganismen wie etwa Essigbakterien hintan zu halten. Es braucht einfach nur Trauben aus herausragenden Lagen und spannenden Böden um einen ausdrucksstarken Wein zu erzeugen.
Durch biodynamische Bewirtschaftung und die Förderung der Biodiversität stärken wir das mikrobiologische Leben unserer Lagen. Gesunde, stabile Hefepopulationen sorgen für eine natürliche, harmonische Gärung.

Tierisches Leben
In der Biodynamie spielen Tiere eine wichtige Rolle für die Bodenfruchtbarkeit und somit auch für die Entwicklung der Kulturpflanze - in unserem Fall die Rebe. Seit 2015 sind deshalb nach und nach Schafe, Hühner, Gänse und Enten bei uns eingezogen und bereichern seitdem tagtäglich das Leben auf dem Hof.
Unsere Krainer Steinschafe sind ganzjährig auf wechselnden Weiden rund um das Weingut und fressen ausschließlich Gras und Heu von unseren Biodiversitätsflächen. Sie halten die Flächen offen, verhindern Verbuschung und fördern die Vielfalt von Pflanzen und Insekten. Gleichzeitig versorgen sie den Boden mit Nährstoffen und fördern das Bodenleben.

Reduktion
Reduktion ist für uns sehr positiv besetzt, also erwünscht und kommt in unseren Weinen natürlich vor. Dies äußert sich besonders in der Aromatik des Weines, die sich in Anklängen von Feuerstein, Popcorn, Zündholz, verbrannter Gummi (Pole Position) manifestieren kann.
Die von Hefen und Bakterien erzeugten aromatischen Schwefelverbindungen treten dann häufiger im Wein auf, wenn die Reben in steinigen, weniger fruchtbaren Böden in die Tiefe zu wurzeln. Weniger Stickstoff im Boden bedeutet meist auch weniger hefeverfügbaren Stickstoff im Most, eine langsamere Gärung und in Folge mehr reduktive Aromen im Jungwein. Im Zuge der oft jahrelangen Reifung auf der natürlichen Hefe im Fass oder den Amphoren kommt es zu einer positiven Integration der oben beschriebenen Aromen und letztendlich zu mehr Komplexität und Spannung im Wein.
In der Chemie versteht man unter Reduktion die Aufnahme von Elektronen (Aufnahme von Wasserstoff oder die Abgabe von Sauerstoff). Daher sind die Weine in der Jugend oft reduktiv, erst mit der Reifung (Oxidation, Aufnahme von Sauerstoff) verändern sich die Aromen.
